Ich bin gefangen von der Magie dieses Landes. Es war nicht auf meiner berühmten Bucket List. Ich weiß gar nicht mehr so genau warum ich mich dafür entschieden habe.
Ich habe das große Glück und die Ehre in den Guides Freunde gefunden zu haben. Es war manchmal ein Running Gag wer den nächsten Punkt auf meine Wunschliste erfüllen kann. Vieles davon hat alle anderen auch gefreut. So dürfte ich die kompletten 4 Wochen mit „locals“ verbringen.
Straßenverkehr
Es gibt kaum Schilder, jeder weiß wie schnell man fahren darf. Kühe, Hunde, Menschen kennen die Verkehrsregeln. Beim Überholen kurz hupen heisst „Achtung ich überhole“, wenn Menschen oder Tiere am Rand oder auf der Straße stehen wird ebenfalls kurz gehupt. Hupen ist wie eine Sprache. Überholt wird vierspurig. Scheint am Anfang chaotisch ist aber weniger aggressiv als bei uns.
Netzwerk
Jeder kennt jeden und jeder hilft jedem im entsprechenden Bereich. Der Farmer sucht uns neue Wege weil die bekannten überschwemmt waren. Die Kumpels zu Besuch waschen die Pferde ab, der Jeep Fahrer kümmert sich um Wasser für uns.
Service
Der Kunde ist König. Egal wo wir waren und besonders unsere Guides und alle, die mit Touristen zu tun haben sind mega freundlich, erfüllen alle Wünsche, geben Sicherheit, passen auf. Mit dem Fahrer irgendwohin zu fahren heißt man muss auch mit zurück. Falls sie im Auto warten nehmen sie es in Kauf. Auf eigene Faust zurück geht nicht. Das mag für mich einschränkend sein und gleichzeitig gibt es das unbezahlbare Gefühl sicher zu sein.
Traditionen
So DAS Thema. Was man während der Tour lernt ist beeindrucken. Die Philosophie des Buddhismus hat mich schon länger interessiert. Der Hindu Einfluss ist deutlich spürbar und für mich persönlich zu sehr extern orientiert. Wir Menschen bitten um Hilfe, Rat und Unterstützung. Gott, Buddha, Alah wird es schon richten. In jeder Ecke steht eine Stupa, ein Tempel, eine Kirche oder eine Moschee. Jeder kennt jeden. Sooo ein Segen und ein Fluch. So schön die Familienbande und Netzwerke sind. Es hat eine Schattenseite. Die Freiheit und das individuelle Entscheiden ist sehr eingeschränkt. Die Traditionen und Werte sind vorgegeben. Arrangierte Hochzeiten, Partnerwahl durch Agenturen die auf dem Horoskop basieren. Viele viele Regeln wer auf wen aufpassen muss, wer was darf, wer wieviel hat, wer sich um wen und was kümmert.
Und doch…die Menschen sind glücklich, verfolgen ihre Träume. Tanzen in der Reihe und aus der Reihe. Tragen den Reichtum im Herzen statt im Geldbeutel.

Am Anfang wollte ich die arm aussehenden Hütten nicht photographieren bzw. nicht mit Kamera auf dem Markt rum laufen. Doch warum? Fühle ich mich schlecht weil es mir „besser“ geht? Tut es das wirklich? Ich schau genauer hin. Alle strahlen, winken mir zu, posieren für mich. Uuund…schieben mich so hin wie sie ein Photo von mir möchten. Auch ohne zu fragen, geben und nehmen. Ich bin 1000nde Male auf Bildern hier. Vor allem auf dem Pferderücken da Pferde hier sehr selten sind. Mir geht es gar nicht besser nur weil mein Lebensstil höher ist. Lebensqualität hat nichts mit Geld zu tun. Man macht Bilder anders aussehender Menschen nicht von Reichtum oder Armut. Klick…und schon fühlt sich das anders!
Was suche ich? Den Zusammenhalt und die Gemeinschaft in fremden Kulturen. Ja, das ist hier sehr stark zu spüren. Der Preis dafür ist allerdings wenn man genau hin schaut hoch. Es führt zum Doppel-Leben, zur Doppelmoral. Man lebt nach den Regel und erfüllt die Verpflichtungen. Doch ein anderer Teil im Freundeskreis weiß dass man viele Grenzen sprengt. Alkohol, Parties, Sex vor der Ehe…im Vergleich zu uns sehr „gesittet“ (1 heimliches Bier am Abend). Die erlernten Muster sind sehr tief verankert ist und doch gibt es auch hier den Trang immer wieder auszubrechen. Ich denke hier wird es die nächsten Jahre zum Sortieren der Werte und Traditionen kommen. Ich hoffe das manche Traditionen nicht weichen werden: Gemeinschaft, Offenheit, Herzlichkeit, das Selbstverständnis mit Freunden zu teilen, die Naturverbundenheit, das Vertrauen in das Gute, Weitergabe des „alten Wissens“…einfach Sri Lanka halt.
Ich habe so viel von den Menschen hier gelernt:
Eine herzliche Wärme und Willkommenskultur. Immer am Lächeln. Geben ohne etwas zurück zu erwarten. Man sagt nicht Danke, man übernimmt Verantwortung für sich, Freunde, Familie, Gäste…Arbeiten mit Freunden und das Hobby zum Beruf machen, dabei hat jeder im Team eine besondere Stärke. Dann braucht man keinen Urlaub „weil man dann ja immer Urlaub hat“ mit seinen Freunden. Jeder im Team schafft es seine Träume zu erkennen und zu erfüllen. Jeder auf seine Weise. Ich wurden eingeladen am Familienleben teilzuhaben. Es ist normal hier ins Haus einzuladen, in die Familie aufzunehmen, zu teilen, eine Gemeinschaft zu sein, den Glauben zu teilen, persönliche Gespräche zu führen. Distanz ist nicht spürbar, warum auch? Geben und teilen! Wie sehr ich es genieße. Teilweise bin ich etwas unsicher was ich „darf“, ich löchere und frage 1000 Fragen, wir lernen was unsere kulturellen Unterschiede sind. Wo Sprache ein Hindernis ist, hilft ein Lächeln und Zeichensprache.
Meine Botschaft/Bitte an uns:
Ladet vermeintlich fremde Menschen in eurer Leben ein. Ladet Menschen an euren Tisch ein, teilt Momente, gebt ohne ein Danke zu erwarten. Schenkt eure Zeit und eurer Lächeln für unvergessliche Momente…sprengt die persönlichen Grenzen. Ich bin überzeugt es werden Wunder geschehen und ganz viel Reichtum im Herzen erzeugt. Thank you Sri Lanka!

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